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Schülerzeitschrift der Gerhart-Hauptmann-Realschule, Gelsenkirchen

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Interview mit Karpatenhund (Teil 2) (1./ 3)

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Wieso seid ihr Musiker geworden und keine Bankangestellten?

Björn: Sind das die einzigsten Auswahlmöglichkeiten?
(lachen)
Claire: Also tatsächlich wollte meine Mutter damals immer das ich in einem Finanzamt arbeite. (lachen) Ja oder einen anderen Beamtenberuf ergreife und wahrscheinlich war das er Ansporn was künstlerisches zu machen. Nein, aber heute steht sie voll und ganz hinter mir und ist ganz stolz auf das was ich tue.

Björn: Es geht vor allem um Freiheit dabei, also so aufgeblasen das jetzt klingt, wir führen ein Leben wo wir, na ja tun und lassen können was wir wollen, wo wir uns die ganze Zeit mit dem beschäftigen was uns am allermeisten bedeutet und am wichtigsten ist und das ist kein Job. Es ist nichts wo man morgens hingeht und Gehirn ausschaltet und dann Abends wieder zurückgeht und dann ist der Tag auch schon gelaufen. Sondern wir haben uns das ausgesucht, wir sind Freunde die das zusammen machen und können über unser Leben verfügen wie uns das gefällt und wenn dann am Ende noch Kunst dabei rauskommt oder zumindest Musik und wenn wir am Ende damit noch Leute unterhalten können oder berühren können, dann ist das einfach ein ganz unglaubliches Privileg, eine große Ehre und mir fiele nichts besseres ein. Aber ich glaube es wäre auch okay, wenn auch nicht für uns fünf, bei einer Bank zu arbeiten oder irgendwas anderes, also für unsere Eltern wäre das sicher schön wenn wir das machen würden.

Niklas: Björn und ich waren heute morgen beim Hauptzoll in Köln und mussten ein Paket abholen und zwar haben wir sehr viel Zeit damit verbracht zu warten und den Menschen beim Arbeiten zuzugucken und haben uns danach gefragt wie Leute auf die Idee kommen beim Zoll zu arbeiten, also was einen dazu treibt, weil was vielleicht ein bisschen damit zutun hat, das wir uns im Moment gar nicht vorstellen können sich eine Arbeit auszusuchen, wo man dann hingeht um die zehn Stunden rumzubringen um ein bisschen Geld in der Tasche zu haben und dann etwas anderes zu machen. Also im besten Fall sollte jeder etwas machen, was halt wirklich eine gewisse Erfüllung bietet, die übers Geld verdienen hinausgeht und was uns angeht können wir uns alle nichts besseres vorstellen als Musik zu machen. Wenn das bei anderen Leuten andere Sachen sind ist das ganz gut, denn eine Welt nur mit Musikern wäre grauenvoll.
Björn: Sehr laut.
Niklas: Sehr laut, ja. (lacht)
Björn: Auch sehr toll dabei ist, wenn du so diesen Kontrast Bankangestellter oder Musiker hast, wir wissen nicht was in zehn Jahren mit uns ist, wir wissen nicht mal was in zehn Wochen mit uns ist und für manche Leute wäre das schrecklich so eine Unsicherheit und nicht zu wissen was passiert wenn man krank wird, wenn man ausversehen ein Kind bekommt oder wenn jemand krank wird der einem was bedeutet, also so Einschnitte, wichtige Sachen in der Zukunft. Ich muss noch mal anfangen, ich hab' mich grade in was anderem verloren..
Wir finden sehr gut nicht zu wissen was mit uns passieren wird und für viele Leute ist das ganz schrecklich diese Ungewissheit, aber wir lieben das eigentlich sehr im Moment. Also viele Leute mit denen ich angefangen hab' Musik zu machen, haben dann irgendwann damit aufgehört und sind arbeiten gegangen und das ist auch okay und das respektier' ich auch, fands aber immer sehr sehr schade, aber die hatten einfach nicht genug Mut sich da in dieses Abenteuer hineinzustürzen und hatten auch Angst vor dieser Situation im Leben, wo man nicht genau weiß wie man am Ende des Monats die Miete bezahlt und ob man das in einem Jahr noch alles so machen kann und kann man die Krankenversicherung bezahlen. Also alles so Sachen mit denen man sich als "erwachsener Mensch" beschäftigen muss. Ich lebe eigentlich immer noch so wie ich mit 16 gelebt habe und das finde ich sehr sehr gut, weil ich mich da auch nicht groß damit befasst habe was in zehn Jahren ist. Das ist ein Zustand den ich gerne solange konservieren möchte wie es geht. Nicht zu wissen was meine Zukunft mir bringt und alles immer als Station zu begreifen, also Karpatenhund wird ja auch nicht ne Ewigkeit gehen und das ist eine Station, die zur nächsten Station führen wird. Sowie ich nicht ewig in Köln leben werde, sondern irgendwann wieder wo anders hingehen werde. Alles sind immer Stationen und das finde ich gut. Wenn man sich dafür entscheidet bei einer Bank zu arbeiten, dann ist das ja eigentlich so man weiß genau was in zehn Jahren ist, man weiß eigentlich schon was zum eigenen Tod passieren wird und das fände ich sehr beängstigend.